Contact

Nr. 7, Oktober 2002

 

Ein spezielles Contact über den Europäischen GFBS-Kongress

 

Diese Ausgabe bietet folgende Informationen:

a) Zusammenfassung des Briefs des Generalministers; b) ein Überblick über das Treffen; c) Anträge an das Generalkapitel; d) andere Anträge; e) abschließende Kommunikation

 

A.  A.   Zusammenfassung des Briefs des Generalministers an die Brüder:

Einige wichtige Ideen (7. Oktober 2002):

1.    1.     Jede Reflexion über Europa und die Evangelisierung der europäischen Brüder kann nicht vom größeren Kontext der internationalen Gemeinschaft getrennt werden: z. B. „nachhaltige Entwicklung“, Johannesburg.

2.    2.     Um die Gesellschaft evangelisieren zu können, müssen wir die sozialen Probleme verstehen, denen die Menschen und die Familien gegenüberstehen (Zeichen der Zeit).

3.    3.     Wir sind um den ganzheitlichen Schutz jedes Lebewesens bemüht. Das ist die Verantwortung eines jeden Minderbruders und nicht einiger Auserwählter.

4.    4.     GFBS-Animatoren leisten eine wertvollen Dienst für die Bruderschaft: Sie helfen der Kirche, die Zeichen der Zeit zu deuten, ein mitleidendes Herz zu behalten und bereit zu sein, eine helfende Hand zu reichen.

5.    5.     Eine zentrale Frage für jeden Minderbruder ist: „Wie kann ich friedvoll werden, gerecht und in Harmonie mit der Schöpfung leben?“ Und: „Wie kann ich daran mitwirken, die Strukturen der Sünde und der Unterdrückung niederzureißen, die den Großteil der Menschheit an den Rand drängen?“

6.    6.     GFBS-Animatoren brauchen die Koordination mit anderen Kommissionen der Provinz und der Konferenz, speziell mit denen für Ausbildung und Evangelisierung.

7.    7.     Die franziskanische Familie ist aufgerufen, mit Franciscans International zusammenzuarbeiten, um unserer Stimme bei den Entscheidungen der internationalen Einrichtungen Gehör zu verschaffen.

8.    8.     Die Veröffentlichung des GFBS-Handbuchs, übersetzt in zehn Sprachen, (und andere Publikationen des römischen Büros) ebenso wie das Vossenack-Treffen und andere kontinentale Treffen tragen bei zur weiteren Ausbildung der GFBS-Animatoren.

 

Herausforderungen: a) Einheit in Vielfalt, b) interreligiöser Dialog, c) speziell mit den Moslems, d) Solidarität mit der Zweidrittel-Welt, e) Gewaltlosigkeit, f) einfacher Lebensstil, der zu einer „Bekehrung der Umgebung“ führt (Johannes Paul II), g) „eingegliederte“ (inserted) Fraternitäten unter den Armen, h) ethisches Investment (www.ofm.org und www.ofm-jpic.org)

 

B.   B.   Überblick des Treffens:

 

Der europäische Kongress: Der europäische kontinentale GFBS-Animatoren-Kongress fand in Assisi vom 7. bis 12 Oktober 2002 mit 70 Delegierten statt, zusammen mit Mitarbeitern von FI Genf und Mitgliedern der italienischen franziskanischen Familie. Es entwickelte sich während der Woche eine fröhliche und brüderliche Umgebung mit einem guten Programm, das die Beratungen leitete. Der Generalminister, der nicht persönlich zugegen war, sandte uns einen Brief, in dem er die Rolle des GFBS-Animators beschreibt, dessen Wichtigkeit betont und mehrere herausfordernde Themen nennt, die sich der Bruderschaft in Europa stellen. Der Eucharistiefeier zur Eröffnung stand Peter Schorr ofm vor; der Schlussmesse Generalvikar Stefan Ottenbreit ofm.

 

Das Treffen schlug als Ziel vor, „die GFBS-Animation unter den europäischen Brüdern zu stärken, indem die soziopolitischen, ökonomischen und religiösen Realitäten ebenso in Betracht gezogen werden wie die Ausschließung (exclusion), eine wachsende Tendenz in Europa und in der Welt“.

Das Schlagwort für das Treffen war: „Europa: als Franziskaner eine Gelegenheit und eine Verantwortung, sich für Solidarität einzusetzen“.

 

Die Arbeit begann mit einer Diskussion am runden Tisch über Europa, die sich mit drei Aspekten befasste: dem sozio-politischen und ökonomischen (vorgestellt durch eine EU-Parlamentarierin aus Spanien), dem kirchlichen (ein italienischer Journalist) und dem franziskanischen (Hermann Schalück).

 

Am nächsten Tag fanden gleichzeitig fünf Arbeitsgruppen statt, die folgende Themen behandelten: Flüchtlinge und Auswanderer, ethisches Investment, Umwelt, Friede und „eingegliederte“ (inserted) Fraternitäten. Jede Arbeitsgruppe wurde in den drei Konferenzsprachen geleitet (Spanisch, Italienisch und Englisch).

 

Der Kongress legte ein besonderes Gewicht auf die Ausbildung: die eigene Bildung der GFBS-Animatoren sowie GFBS in der Grundausbildung und der Weiterbildung für alle Brüder. In diesem Zusammenhang stellte José Carballo, Generalsekretär für Ausbildung und Studien, dar, wie GFBS integral zum franziskanischen Charisma gehört. Es folgte eine praktische Darstellung von Franciso O’Conaire, wie diese Dimension ins Leben und in den Dienst der Bruderschaft integriert werden kann.

 

Die Konferenzberatungen wurden verstärkt durch die Teilnahme vieler Brüder aus den osteuropäischen Provinzen; die meisten Entitäten der süd- und westslawischen Konferenzen waren vertreten.

 

Erfahrungen mit der Animationsarbeit innerhalb der Bruderschaften und Provinzen tauschten die Animatoren untereinander aus, ebenso Entwicklungsvorschläge für die lokalen und die Provinzbruderschaften. Für das Generalkapitel 2003 wurden eine Reihe von Anträgen gemacht.

 

Jeder Antrag enthält die vorgeschlagenen Ziele, die für die Umsetzung Verantwortlichen sowie einen Zeitrahmen. Diese Anträge werden auf dem Pan-amerikanischen GFBS-Treffen im November vorgestellt; eine endgültige Entscheidung, was dem Generalkapitel präsentiert wird, soll beim internationalen Ratstreffen im Dezember 2002 getroffen werden.

 

C.  C.   Anträge für das Generalkapitel 2003

 

1.    1.     Ein spezieller Gedenk- und Feiertag sollte eingerichtet werden, an dem der Gesamtorden, zusammen mit Menschen guten Willens, die Probleme unserer Zeit hinsichtlich GFBS hervorhebt (z.B.: Internationaler Welttag am 5. Juni, Gedenktag der Einwanderer, Friedenstag am 21. September, HIV/AIDS Tag etc.).

2.    2.     a) Ein GFBS-Lehrstuhl sollte am Antonianum in Rom eingerichtet werden, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Themen Schöpfung und Gewaltlosigkeit.

b) Kurse zu GFBS sollten an allen franziskanischen Universitäten und Instituten eingerichtet werden.

3.    3.     Während des Sexenniums (2002-2009) sollte eine Studie über die Beziehung zwischen Bruderschaft und Umwelt-Nachhaltigkeit gefördert werden, um den Umwelteinfluss („Fußabdruck“) unserer Bruderschaften zu messen und einen umweltverträglicheren Lebensstil zu finden.

4.    4.     Während des Sexenniums (2003-2009) sollte eine geeignete Körperschaft eingerichtet werden, die das Finanzgebaren des Ordens (Einnahmen, Ausgaben, Investitionen) in den verschiedenen Entitäten ethisch ausrichtet.

5.    5.     Der Orden sollte die Prioritäten des Generalkapitels von 1997 zur Sorge um Flüchtlinge, Einwanderer, ethische Minderheiten bekräftigen. Für die praktische Durchführung sollte ein Bruder ernannt werden (oder alternativ ein Laie), der dafür Vollzeit und in enger Kooperation mit den Verantwortlichen des römischen GFBS Büros arbeitet.

 

D.  D.   Anträge zu anderen Sektoren im Orden:

 

1.    1.     MEFRA:  soll ein Büro in Brüssel einrichten, um zu Flüchtlings- und Einwanderungsthemen mit den EU-Instituten zusammenzuarbeiten. Die Arbeit würde mit dem römischen GFBS-Büro, FI Genf und ACNUR koordiniert. Die europäischen Provinzen wären für Personal und Finanzen verantwortlich.

2.    2.     Provinzen:

·      ·        Klimawechsel und globale Erwärmung: Verpflichtung, über die Broschüre nachzudenken, die von der inter-kongregationalen GFBS Kommission erarbeitet wurde: www.ofm-jpic.org/globalwarming

·      ·        ein Seminar oder einen Einkehrtag über ein Umwelt-Thema halten.

·      ·        Friedenstag: soll in jeder Fraternität gehalten werden (dazu können bestehende Quellen verwendet werden und wenn möglich, ein Besuch des GFBS-Animators der Provinz).

·      ·        Mindersein: Bewusstsein für dieses Themas als fundamentalem und konstruktivem Element unseres Charismas vertiefen. Die Provinzkapitel sollen ermutigt werden, eine sog. „eingegliederte“ Fraternität zu gründen.

·      ·        Franciscans International: jede Konferenz soll die Möglichkeit ausloten, eines ihrer Treffen in Genf zu halten.

 

3.    3.     Sekretariat für Ausbildung und Studien:

·      ·        GFBS in die Programme für die Grundausbildung und die ständige Weiterbildung aufnehmen.

·      ·        Während der Grundausbildung sollen Erfahrungen in „eingegliederten“ Fraternitäten garantiert werden.

 

E.   E.   Briefverkehr am Ende der Konferenz:

 

An die Brüder im Orden: Die Mitteilung stellte fest, dass das Treffen für die Animatoren sehr hilfreich war, um ihre Arbeit in den Provinzen fortzusetzen. Sie betonten, dass der Dialog und der Koordination mit den Ausbildern wichtig ist und das Netzwerk zwischen den Delegierten gestärkt wurde, besonders zwischen den Teilnehmern aus: Deutschland, Österreich, Belgien, Bosnien-Herzogovina, Kroatien, Slovenien, Spanien, Frankreich, Holland, Irland, Malta, Polen, Tschechische Republik und Schweiz. Sie erwähnten die Erkenntnis durch den Brief des Generalministers, dass jeder Bruder für die GFBS-Animation verantwortlich sei . Es wird die Hoffnung ausgedrückt, dass GFBS in den franziskanischen Universitäten und Studienzentren gestärkt wird durch die Förderung von wissenschaftlichen Forschungen aus franziskanischer Perspektive, mit spezieller Betonung der Kultur der Gewaltlosigkeit, Ökologie und nachhaltiger Entwicklung.

 

An die Brüder im Gefängnis: Unterstützungsbriefe wurden an Louis Vitale ofm und Jerry Zawada ofm gesandt. Beide sind in Gefängnishaft, seit sie bei einer Demonstration gegen die „Schule Amerikas“ in Fort Brag im November 2002 teilgenommen haben. Diese Schule hat jahrzehntelang Armeeoffiziere aus Lateinamerika ausgebildet, von denen viele wegen schwerer Übertretung der Menschenrechte angeklagt wurden.

 

An die Brüder in Kolumbien: Der Kongress erkannte die besondere Schwierigkeit für unsere Brüder in Kolumbien an, wo die neue Betonung der militärischen Lösung die Situation im Land weiter verschlechtert hat, nachdem die Friedensverhandlungen fehlgeschlagen und ein neuer Präsidenten gewählt worden war. Der Kongress wollte seine Solidarität mit der Kirche und mit den beiden Provinzen zeigen.

 

Irakkrise: Der Kongress verfasste eine Erklärung an den Irak und rief ihn zu einer gewaltlosen Verhandlungslösung auf.

 

Bitte schickt alle Daten über  kommende GFBS Treffen, Kommentare & Vorschläge an : 

Gearóid Francisco Ó Conaire, OFM

OFM JPIC Office

Via S. Maria Mediatrice 25

00165 Rome, ITALY

E-mail:  pax@ofm.org    Web: http://www.ofm.org/

Tel:  (+39-06) 6849-1218        Fax:  (+39-06) 6849-1266